In Tschechien verliert man die Nerven
In der
vergangenen Parlamentsdebatte bekam der Zuschauer einen Einblick in die
seelischen Verwerfungen tschechischer Politik. Ministerpräsident ZEMAN und
Oppositionsführer KLAUS brachten gemeinsam den Vorschlag ein, den ehemaligen
tschechischen Staats- und Vertreiberpräsidenten Edvard Benesch posthum mit dem
höchsten tschechischen Orden, dem Masaryk-Orden, für seine Verdienste um die
Tschechische Republik auszuzeichnen. Als Begründung diente der Hinweis, dass
Dr. Edvard Benesch von Anfang seines Lebens für die Selbständigkeit der
tschechischoslowakischen Nation gekämpft und den Widerstand des
tschechoslowakischen Volkses aus dem Londoner Exil organisiert hatte. Ihm ist
es zuzuschreiben, dass die historischen Länder Böhmen und Mähren von
germanischen Verbrecherelementen befreit und der tschechoslowakische Staat
seine Gebiete wieder zurückgewonnen hat, die damals völlig ausgeplündert und
zerstört waren. „Dafür schulden wir Edvard Benesch unsere Dankbarkeit und
Bewunderung“, soweit das Zitat der beiden Politiker aus der
Parlamentsdebatte vom 15.03.02.
Die Journalisten
haben anschließend nachgefragt, ob diese Initiative nicht noch mehr die
angespannten Beziehungen der Tschechischen Republik zu Österreich, Ungarn und
vor allem Deutschland erschüttern würde. Die beiden Politiker erklärten
daraufhin wörtlich: „Die Herren Haider, Orban und Stoiber, jedoch nicht nur
sie, sollen begreifen, dass wir uns von ihnen nichts diktieren lassen. Die
Benesch-Dekrete waren und sind ein fester Bestandteil der Verfassung und sie
werden es bleiben. Diese Herren sollen endlich begreifen, dass wir uns von
niemandem politisch oder wirtschaftlich erpressen lassen und sollen vor ihrer
eigenen Türe kehren.“
Die hohe
Auszeichnung des ehemaligen Staatspräsidenten Edvard Benesch soll als
demonstrative Bestätigung der aus der Nachkriegszeit stammenden Gesetze und als
eine Ehrung des Retters des Vaterlandes angesehen werden. Möglicherweise ist
auch eine Namensumwidmung des Ordens vorgesehen, der dann Benesch-Orden heißten
könnte.
Man sieht daraus
deutlich, dass sich tschechische Politiker voll auf den Weg einer Konfrontation
begeben haben und trotz aller Bemühungen der demokratischen Kräfte in
Westeuropa nicht imstande sind, der eigenen verbrecherischen Vergangenheit ins
Gesicht zu sehen, geschweige sie aufzuarbeiten. Diese Unfähigkeit, grenzenlose
Arroganz und Anmaßung schadet dem tschechischen Volk am meisten. Die
tschechischen Politiker agieren nicht nur außerhalb der europäischen Staaten-
sowie Rechts- und Wertegemeinschaft, sie nähren auch Zweifel an der
Rechtmäßigkeit tschechischer Staatlichkeit. Damit ist eine neue Ebene in der
europäisch-tschechischen Diskussion entstanden. Es geht nicht mehr um das
Gefahrenpotential Atomkraftwerk Temelin oder Beneschdekrete oder um den Ausbau
der Elbe auf tschechischer Seite, wodurch erhebliche ökologische Schäden für
die deutschen Anrainerländer zu erwarten sind, sondern um die Frage, inwieweit
dieser Staat eine Gefahr für die mittel- und westeuropäischen Staaten und deren
Wertegemeinschaft darstellt.
Hier wird man
nicht umhin können, sich tschechoslowakischer Altlasten zu erinnern und diese
der Öffentlichkeit zu präsentieren: Tschechische Wühlarbeit und Zerschlagung
der ungarisch-österreichischen Monarchie. Hetzerische Flugblattaktionen in den
USA und Erzeugung einer Kriegsstimmung gegen die Mittelmächte zu Beginn des I.
Weltkrieges . Verhinderung eines vorzeitigen Friedens zwischen den
Mittelmächten und den damaligen Alliierten – Geheimverhandlungen liefen bereits
seit 1915, um den Krieg zu beenden. Die Verbrechen der tschechischen Legionäre
in Rußland während des Bürgerkrieges und deren Verrat an der weißen
Bürgerkriegspartei in Sibirien. Man sieht, die Themen sind zahlreich und für
die Tschechen keineswegs schmeichelhaft. Die tschechischen Politiker haben nun
den Dschinn (böser Geist – den Präsident Havel bändigen wollte) aus der Flasche
gelassen und werden ihn nicht mehr einfangen können. Sie haben überzogen – es
ist nur eine Frage der Zeit, dass ihr Staat zur Disposition steht.
Schon wendet sich
die Slowakei verschämt ab und distanziert sich: Das slowakische Staatsfernsehen
brachte am 17.03. in der Abendsendung „Politik heute“ eine Ansprache des
EU-Politikers SOLANA, der am Rande der EU-Konferenz in Barcelona – im Beisein
des tschechischen Außenministers JAN KAVAN - in einem Interview für das I.
Programm des slowakischen Fernsehens sagte, dass alle Kandidatenstaaten noch
vor Beitritt ihre Gesetze, Verordnungen und Verfassungen der europäischen
Rechts- und Werteordnung anpassen müßten. Ganz konkret wurden die
Nachkriegsgesetze angesprochen. Es wurde auch zu den Beziehungen Minderheiten
und Staat Stellung genommen. SOLANA begrüßte die Initiative des ungarischen
Ministerpräsidenten ORBAN: Diese Initiative ging ja noch viel weiter, als wir
aus unserer Presse erfahren konnten. Danach sollen Personen ungarischer
Abstammung, die außerhalb Ungarns wohnen und leben auf Antrag einen sog. Pass
für Auslandsungarn erhalten, der sie berechtigt, in Ungarn als Bürger der Republik
Ungarn anerkannt zu werden. Im Falle der Not können sie Rechtsschutz des
ungarischen Staates verlangen. Dies war natürlich eine kalte Dusche für den
slowakischen Ministerpräsidenten MIKULÁS DZURINDA. Seine Reaktion: Die
slowakische Regierung überlegt, doch gewisse Passagen aus den sog.
„Benesch-Dekreten“ noch vor dem NATO-Gipfel in Prag aus der Rechtsordnung der
Slowakischen Republik zu streichen, weil sich dadurch Probleme und Hindernisse
auf dem Weg nach Europa ergeben. Die Slowakei ist ein souveräner Staat und
könne je nach Bedarf und politischer Reife seine Gesetze ändern. Eine
interessante Aussage in Anspielung auf die Tschechische Republik und deren
verkrampfter Haltung zu den Benesch-Dekreten.
In diesem
Zusammenhang gewinnt eine sonst unbedeutende Zeitungsmeldung Interesse, nach
der im tschechisch-deutschen Grenzgebiet (sprich Sudetenland) Aufkleber mit der
tschechischen Aufschrift „Das Sudetenland war und wird wieder Deutsch“
aufgetaucht sind. Die westböhmische Polizei ermittelt wegen Erregung öffentlichen
Ärgernisses. Ob provoziert oder von „deutschen Unruhestiftern“ veranlaßt,
bleibt dahingestellt. Wenn schon so unbedeutende Ereignisse das tschechische
Raubsystem erschüttern, welches Erdbeben werden wir erleben, wenn sich die
Sudetendeutschen von ihren Kaffeekränzchen verabschieden und der
Wiedergewinnung ihrer Heimat zuwenden? Man sollte sie nicht unterschätzen und
ihre Geduld nicht überstrapazieren.
Die Weichen sind
richtig gestellt. Packen wir`s an. Gott ist mit den Standhaften!!
Dr. Hans Mirtes
Vorsitzender des Heimatkreises Mies-Pilsen e.V.
und der Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher sowie der
Studiengruppe Erbland Sudetenland (STES)
Dateiname: In Tschechien
verliert man die Nerven