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Das Werk spannt einen weiten Bogen über Geschichte, Volkstum,
vor allem über das Schicksal der um die 800 Jahre in Europas
unbekannter Mitte lebenden Deutschen und über eine oft
fragwürdige Politik hinsichtlich Bürgerrechte, Eigentum,
Sprache, Bildung oder sozialer Sicherheit. Es erörtert die
Bedeutung des Raumes, seine wechselnde politische Zugehörigkeit
neben der nationalstaatlichen Idee mit den für die Deutschen
verhängnisvollen Versuchen, neue Ordnungsformen zu schaffen,
die aber statt gleichberechtigter Volksstämme nur
große Minderheiten hervorbrachten, die der Willkür
eines Staatsvolkes ausgeliefert waren. Eingehend beleuchtet
werden Siedelgebiete und Bevölkerung. Besonderes
Kartenmaterial verdeutlicht die Verbreitung der deutschen Stadt-
und Bergrechte wie die Bedeutung der Industrie in den
Sudetenländern, die in der einstigen Monarchie 76% ausmachte.
Die deutschen Wissenschafts- und Kultureinrichtungen in Böhmen
und Mähren-Schlesien, ihre Ausstrahlung auf die gesamtdeutsche,
ja europäische Geisteswelt erfahren in der Erwähnung des
Einflusses der Hofkanzlei Karls IV. auf die deutsche Sprachentwicklung,
der genialen Baukünstler von Peter Parler bis zu den Dientzenhofers,
der genetischen Entdeckungen Mendels, der Erfindungen Ressels oder
Porsches sowie der Pflege der Kunst ihre besondere Würdigung.
Die erste Universität nördlich der Alpen entstand in Prag
(1348), ebenso die erste Technische Hochschule und ein vielfältiges
Fachschulwesen in allen Landesteilen.
Der Großteil des Werkes widmet sich den Sudetendeutschen
und beweist, wie die Herrschaft der Habsburger von 1526 an die staatliche
Ordnung konsolidieren und nationale Gegensätze neutralisieren
konnte, aber auch wie etwa die Romantik bei den Tschechen nationale
Kräfte freisetzte und deren Streben nach Vormachtstellung selbst
in den deutschen Gebieten begünstigte. Die nationalen Spannungen
zwischen den 7,5 Millionen Tschechen und den 3,75 Millionen Deutschen
verschärften sich. Tschechische Politiker waren seit der Gründung
der Tschechoslowakei darauf bedacht, sich als Staatsvolk
einzurichten. In der euphemistisch betitelten Insel der Demokratie
wandte sich der Prozess der Tschechisierung gegen alles Deutsche
wie Sprache, Arbeitsplätze, Wirtschaft sowie den Besitz an
Grund und Boden. Da habe das Jahr 1938 die ersehnte Revision des
Unrechts von 1918 durch England, Frankreich und Italien gebracht.
Hinsichtlich des Münchner Abkommens räumt das Buch
mit den geläufigen Geschichtsfälschungen auf. Man erfährt
von den jahrhundertealten tschechischen Bestrebungen nach ethnischer
Säuberung, von der verlogenen Argumentation tschechischer
Politiker und deren Überheblichkeit seit 1848. Die Entrechtung
der Sudetendeutschen durch die Bene-Dekrete zeigt sich
als eine Folge dieser Entwicklung mit der Konfiskation allen Vermögens,
der Neubesiedlung des Bodens durch Tschechen (Legionäre) und
Slowaken, der Zwangsarbeit für die Deutschen, der Auflösung
der deutschen Universität und der Straffreistellung von tschechischen
Verbrechern für jedwede Untat an Deutschen. Gegen all dies
stand das geltende Völkerrecht. Die tschechische Politik
hat sich um keines seiner Gebote geschert. Das Werk listet die Opfer
der Sudetendeutschen auf, desgleichen die Vermögensverluste,
welche am 08. Mai 1945 19,3 Milliarden € betrugen, also mehr
als der Marshallplan (ERP-Programm) an 14 europäische Staaten
vergab.
Die tschechoslowakische Idee schlummerte, wie das Buch nachweist,
vor allem im Ränkespiel tschechischer Politiker vom Schlage
Masaryks und Bene, schon 1918 mit unverschämten
territorialen Forderungen aufzutreten, was sich Anfang der 40-er
Jahre wiederholen sollte. Die Slowakei war ja seit 1939 bereits
einmal selbständig, dennoch sprach man bekanntlich von der
Fortexistenz der CSR von 1918. Peinlich mutet da das Ende der (eigentlich
3.) CSR von 1992 an, da die Slowakei sich erneut vom tschechischen
Teilstaat löste. Als aber die Deutschen die tschechische Unterdrückung
1938 nicht mehr ertragen wollten, hat man deren Abschied als Illoyalität,
als Kriegsgrund in die Welt posaunt. Die CS-Idee hat sich schließlich
in den Kürzeln CSR CSSR CSFR CR (CZ) erledigt.
Der sich deutscherseits ergebende Forderungskatalog, wissenschaftlich
im Auftrag der bayerischen Staatsregierung als Schirmherrin über
die Sudetendeutschen erstellt, postuliert das Selbstbestimmungsrecht
mit dem Recht auf die Heimat, Minderheitenschutz, Regulierung der
Vermögensfragen. Als dringlichste Forderung gilt die Aufhebung
der Enteignungsdekrete. Dazu gibt es Rechtsgutachten und Resolutionen
von Wissenschaftlern, vom EU-Parlament und dem US-Repräsentantenhaus.
Die Kopenhagener Kriterien halten fest, was die CR hätte erfüllen
müssen, um in die EU aufgenommen zu werden. Sie hat dies jedoch
mehrfach höhnend abgelehnt und ist trotzdem freudig in eine
fragwürdige Wertegemeinschaft aufgenommen worden.
Es bestehe nach wie vor die Auffassung des Sudetendeutschen Rates,
dass die Sudetenfrage nicht erledigt sei, auch wenn man sie
im Staat der Tschechen als für alle Zeiten gelöst betrachtet.
Sie harrt noch immer ihrer Lösung.
Ernst Korn
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